Künstlerische Techniken

Bei der Betrachtung von Kunstwerken achtet man gewöhnlich nur auf die Abbildung an sich - weniger auf die Materialien, aus denen sie bestehen, oder auf die Mittel, mit denen sie ihre Wirkung erzielen. Der Stein zum Beispiel, den der Bildhauer verwendet, die Werkzeuge, mit denen er arbeitet, oder die ganze Skala der Farben, über die der Maler verfügt, haben einen weitreichenden Einfluß auf den Charakter des Werkes. Dieser Aspekt wird bei der Bewertung von Kunstwerken häufig zugunsten rein ästhetischer Kategorien vernachlässigt. Er ist jedoch für das vollständige Verstehen des Werkes außerordentlich wichtig: Der Betrachter wird dadurch in die Lage versetzt, Beziehungen zu den gesellschaftlichen, geographischen und historischen Bedingungen der Zeit herzustellen, in der das Werk entstand.

Das hier einzuleitende Kapitel über die wichtigsten künstlerischen Techniken enthält kurze Beschreibungen der Materialien und Methoden, deren sich die Künstler von alters her bedient haben.

»Goslar - Rathaus«

Ölmalerei

Maltechnik mit ölgebundenen Farben,
wobei das Öl nicht nur Bestandteil der Bindemittel sein darf (Temperamalerei).
Es sind zwei Verfahren zu unterscheiden:
die Primamalerei, bei der das Bild Zug um
Zug vollendet wird, und die Schichtenmalerei, bei der deckend oder lasierend-transparent verschiedene Farbschichten übereinander gelegt werden. Die Brüder van Eyck gelten als Erfinder der Ölmalerei. Sie entwickelten eine Wechseltechnik aus Harz- und fetterer Öltempera von ungeheurer Leuchtkraft. Erst im 16. Jh. begann die reine Ölmalerei, wurde dann aber rasch die vorherrschende Technik in der Tafel- und Staffeleimalerei.

Heinz Scholz
24 × 30 cm

»Kleine Zärtlichkeit«

Bronzeskulptur

Kupfer und Zink oder Blei sind die Hauptbestandteile der Bronze, und
zwar ungefähr im Verhältnis von 90 Prozent Kupfer zu 10 Prozent Zink
oder Blei. Kupfer selbst ist sehr weich und zäh im Guß. Deswegen gibt man ihm Blei oder Zink bei, um es leichtflüssiger
und härter zu machen. Zink vermindert die Entwicklung von Gasen, die sich im
Verlauf des Gießens bilden, das Metall schwächen und seine Oberfläche porös
und unansehnlich machen. Blei wiederum bewirkt eine Senkung des Schmelzpunktes, begünstigt die Verflüssigung und erleichtert die Behandlung nach der Erkaltung. Unterschiede in der Legierung beeinflussen sowohl das Gewicht der Skulptur als auch die Farbe des Metalls. Die Legierung
wird zum Guß auf über 100 Grad Celsius erhitzt. Hierbei darf das Metall jedoch auf keinen Fall überhitzt werden; die endgültige Farbe der Bronze würde darunter leiden.

Bruno Bruni
28 × 40 cm

»Goslar«

Farbradierung

Die Radierung, auch Ätzkunst genannt, ist neben dem Kupferstich das wichtigste Tiefdruckverfahren der europäischen Kunstgeschichte. Während der Kupferstich heute eigentlich nicht mehr praktiziert wird, blieb die Radierung eine lebendige Kunst und hat bis heute ihr technisches Grundprinzip nicht geändert.

Leslie G. Hunt 58 × 44 cm

Die Radierung ist primär eine Linientechnik, d.h., die Formen des Bildes werden aus Punkten und Strichen aufgebaut. Oft werden daher Radierungen mit Originalzeichnungen verwechselt, und in der Tat ist der Gestaltungsprozeß mit dem der Federzeichnung eng verwandt.

Die zeichnerische Formfreiheit resultiert aus der technischen Besonderheit der Radierkunst: der chemische Prozeß der Ätzung erweitert den Handlungsspielraum. Künstlerische Energien können für die Formhandlung selbst reserviert werden, der Zeitaufwand wird enorm verkürzt. Muß der Kupferstecher Tage und Wochen über seiner Platte sitzen, kann der Radierer schon in wenigen Stunden gedruckte Bilder liefern.

»La Strada«

Lithographie Hochdruck- und Tiefdrucktechniken haben bei allen Unterschieden miteinander gemein, daß ihre Bilder von Reliefs abgedruckt sind. 1798, am Ende eines an graphischen Erfindungen so reichen Jahrhunderts, entwickelte Aloys Senefelder eine völlig andere Methode. Sie basiert auf der einfachen Erfahrung, daß die mit fetter Farbe imprägnierten Stellen eines Kalksteines Wasser abstoßen, aber fette Druckerschwärze annehmen und daß der Kalkstein an den Stellen, wo er mit Wasser angefeuchtet wurde, fette Farbe abstößt.

Michael Schreiber 70 × 90 cm

Fette Farbe und nasser Stein müssen also derart in eine gegensätzliche Einheit gebracht werden, daß der Abdruck seine positiven und negativen Formelemente von nebeneinanderliegenden Stellen desselben Steines empfängt.

Weil Form und Nicht-Form der Druckplatte nebeneinander auf einer Fläche liegen, wird die Lithographie auch als Flachdruck bezeichnet. Wegen ihrer hohen Leistungafähigkeit ist die Lithographie bis heute gleichermaßen als Kunstmittel wie als industrielles Basisverfahren im Gebrauch.

»Spring Blosson«

Mischtechnik

Der Künstler bedient sich hierbei verschiedener Maltechniken. Die Unikate entstehen aus der vielfältigen Verbindung verschiedener Farben und Techniken, z.B. Aquarell, Tempera, Sleistift, Acryl, Öl und in manchen Fällen auch Quarzsand. Der Künstler verarbeitet je nach Belieben die Maltechniken und Farbkombinationen, die ihm persönlich am besten liegen.

Claude Fauchere
106 × 80 cm